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Jugendporträt – Helena

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Mein Name ist Helena. Ich bin 23 Jahre alt. Ich wohne mit meinen Eltern und meinen 11 Geschwistern im Dorf Hamburg. Das liegt in Mexico und ist Teil der Mennonitischen Gemeinde bei Cuauhtemoc. Wir sind etwa 18,000 Mennoniten. Aufgeteilt in viele verschiedene Gemeinden. Wir sind eine Glaubensgemeindschaft mit einer sehr langen Geschichte. Vor etwa 300 Jahren waren wir gezwungen, unsere Heimat Deutschland zu verlassen und haben erst in Russland, dann in Kanada und schliesslich in Mexiko unsere neues Zuhause gefunden. Glauben, traditionelle Werte und Lebensweisen haben für uns Mennoniten einen hohen Stellenswert. So haben wir bis vor 30 Jahren ohne Elektrizität gelebt und sind mit Pferde und Kutschen als Transportmittel ausgekommen. Auch die Deutsche Sprache und Kultur haben wir bis Heute bewahrt. Mennoniten sein bedeutet für mich, Gottes Willen zu folgen und mein Leben darauf auszurichten. Deshalb bedeuten mir erdische Ablenkungen und das anhäufen von materialen Gutern nicht so viel. Bei uns Mennoniten ist es üblich, das die Frauen Zuhause sind und sich um den Haushalt kümmern und die Männer drausen arbeiten. Ausser am Sonntag da stehen vielen der Mädchen nach der Kirche auf der Strasse und warten auf einen Jungen der vorbei kommt und sie auswählt. Nach dem Sonntag, an dem niemand arbeiten soll, kommt den Montag an dem jede Haushalt Reine macht und wir alle Wäsche washchen. Gemeinsame Rituale wie diese sind uns wichtig. Wir haben einen starken zusammenhalt und ich fühle mich hier geborgen. Daurm ist Heimat für mich auch kein Ort, sondern die Familie und die Gemeinschaft Für mich war es ein schwerige Weg das Mennonite Sein anzunehmen und lieben zu lernen. Als ich Teenager war, war ich nicht zufrieden mit meinem Leben und wollte mein Glück woanders suchen. Ich träumte davon, eine Sängerin zu werden. Ich war meinen Eltern ungehorsam und vielen Dingen. Ich hab' mit Freunden auf der Strasse rumgehangen, Alkohol getrunken, pop Musik gehört und sogar manchmal heimlich Hosen getragen. Aber ich fühlte mich schlect mit dem was ich tat, weil ich wüsste, dass es nicht gut ist. Denn auch damals wüsste ich, dass es Gott gibt, bin aber immer wieder der Entscheidung entwichen für Jesus zu leben. Mit 21 Jahren begegnete ich Jesus und in diesem Moment dürfte ich das wahre Glück annehmen. Es hat mich so tief behrührt, dass mein Herz fast aus der Brust springen wollte. Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben Diese Bekehrung hat mein Leben komplett verändert. Ich unterrichte jetzt in einer mennonitischen Schüle, was mich sehr glücklich macht. Ich habe keine Träume mehr auszubrechen, sondern bin zufrieden mit dem was ich bin. Denn was es mir jetzt einfach macht, das Leben zu leben, ist die Freude auf das Himmelreich das nach diesem Leben kommt. Dort sind die Strassen golden und voller licht Es gibt keine Traurigkeit und kein Leid. Man ist immer glücklich.

Mennoniten sind eine deutschstämmige, protestantische Gemeinschaft, die in der Reformationszeit in Norddeutschland gegründet wurde . Ihre Distanz zu den weltlichen Mächten hatte zur Folge, dass die Mennoniten seit dem 17. Jahrhundert immer wieder vom Staat verfolgt wurden und darum eine nomadenhafte Reise durch die halbe Welt gemacht haben: Von Deutschland zogen sie zunächst in die Niederlande, nach Polen, die Ukraine Wolga, Ural, Ende des 19.jahrhunderts dann in die USA, nach Kanada, und schließlich nach Mexiko.
Trotz oder gerade wegen dieser Reise durch die verschiedensten Kulturen, legten sie großen Wert auf das Bewahren der Kultur und der Sprache der alten Heimat. Sie sprechen Plattdeutsch, haben deutsche Namen und fühlen sich auch nach wie vor als Deutsche.
Die Mädchen tragen entsprechende altertümliche Kleidung, knöchellange, dunkle Kleider über den weißen Strümpfen und gehorchen dem Vater, den Patriarchen der Familie.Sie werden unter strengen Regeln erzogen, wenig ist erlaubt: keine Musik, keine Parties, keine Jungs, Internet, Fernsehen sind Tabu. Viele Mädchen dürfen nicht einmal die Schule abschließen.