Eine Radtour durch Norddeutschland
„Was wir für ein Glück mit dem Wind haben,“ ruft Lisa mir lachend zu, nimmt die Füße von den Pedalen und lässt sich vom Wind vorwärts pusten. Und tatsächlich, seitdem wir vor vier Tagen in dem Kurort St. Peter-Ording an der Nordsee unsere Radtour gestartet haben, ist es entweder windstill oder wir genießen Rückenwind.
Heute ist unsere letzte Etappe. Die Tour endet in dem kleinen Ort Maasholm an der Ostsee. Unser Weg hat uns von der Nordsee 180 Kilometer durch das Land zur Ostsee geführt. Entlang der Deiche sind wir geradelt, vorbei an unzähligen Schafen, schwarz-weiß gefleckten Kühen, romantischen Reetdachhäusern und leuchtend gelben Rapsfeldern.
Wir sind täglich an die 45 Kilometer gefahren und haben unterwegs viel über die Wikinger und Friesen, die einst die Region besiedelten, gelernt. Denn entlang der Wikinger-Friesen-Route sind 43 Hörstationen, an denen man sich die Geschichte des Nordens erzählen lassen kann.
Ich atme tief die salzige Luft ein. Herrlich! Kein Stau, kein Lärm und kein Stress. Es ist nicht meine erste Radtour. Schon als Kind habe ich viele Ferien mit meiner Familie auf dem Sattel verbracht.
Radurlaub ist in Deutschland eine der beliebtesten Urlaubsarten. Dementsprechend groß und vielfältig ist das Angebot. Hunderte von Radwegen ziehen sich durch das Land. Angefangen mit einfachen Strecken, die auch für Kinder geeignet sind, bis hin zu anspruchsvollen Routen, die ohne Mountainbike und guter Kondition nicht zu bewältigen sind.
Rund 33 Milliarden Kilometer werden in Deutschland pro Jahr mit dem Fahrrad zurückgelegt. Natürlich nicht nur im Urlaub. Immer mehr Deutsche, besonders in den Städten, radeln auch im Alltag: zur Arbeit, zum Einkaufen oder zur Uni.
Geräucherter Fisch – 100m! Begeistert entdecke ich das Schild am Wegesrand. „Lisa, Zeit für eine Mittagspause,“ rufe ich meiner Freundin zu. Hungrig lassen wir uns auf die Holzbänke der kleinen Fischräucherei fallen.
Während der Süden Deutschlands bekannt ist für seine Brezeln, für Spätzle und Schnitzel, ist der ganze Norden verrückt nach Fisch. Lisa entscheidet sich für ein Fischbrötchen belegt mit geräuchertem Aal, Zwiebelringen und einem Klecks Remoulade, während ich ein Brötchen mit frischen Nordseekrabben bestelle. Es ist der perfekte Snack für hungrige Radfahrer.
Kurze Zeit später sind wir gestärkt für die letzten 20 Kilometer unserer Radtour. Noch einmal die Nase in den Wind strecken und in die Pedale treten, bevor es morgen zurück geht in den Berliner Alltag.
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