Über den Schriftsteller Max Frisch
Max Frisch. An diesem Namen kommt kaum ein deutscher Schüler während seiner Schulzeit vorbei. Sein Roman Homo Faber (1957) gehört seit Jahren zum Kanon des Deutschunterrichts. In der Schule Bücher lesen: Damit sind bei vielen schlechte Erinnerungen verbunden. Mal ehrlich, wer liest schon gerne, wenn er muss? Doch von allen Autoren und Büchern sind auch nach einigen Jahren zwei Namen nie aus meinem Kopf verschwunden: Max Frisch und Homo Faber .
Geboren wurde Max Frisch am 15. Mai 1911 in Zürich, der größten Stadt der Schweiz. Er arbeitete als Journalist, studierte Germanistik, wurde Architekt, baute ein Freibad und wurde als Schriftsteller weltberühmt. Warum aber ist der Schweizer Frisch auch nach Jahrzehnten noch für den deutschen Schulunterricht so besonders geeignet? Die Ausstellung „100 Jahre Max Frisch“ in der Akademie der Künste in Berlin stellt sich diese Frage: „Wie viel von Max Frisch steckt in der Gegenwart?“ Und warum sollen die mehr als ein halbes Jahrhundert alten Werke dieses Mannes für junge Menschen im Jahr 2012 noch interessant sein?
Es sind die grundlegenden , existenziellen Themen, die in allen Büchern Frischs vorhanden sind. Wie kaum ein anderer deutschsprachiger Autor war Frisch auf der Suche nach dem Selbst. Seine Figuren sind bestimmt von dem Drang, sich zu verändern, ein anderer zu werden, als sie es gerade sind. Sein erstes erfolgreiches Buch , Stiller (1954), beginnt mit dem Satz: „Ich bin nicht Stiller.“ Es ist eine Geschichte vom Kampf für die Freiheit, sein eigenes Leben zu erfinden. Mit diesem Thema trifft er den Nerv der Jugend. Der Drang nach Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und Veränderung ist eng verbunden mit dem Gefühl des Jungseins . Und dieses Gefühl findet sich zu jeder Zeit und an jedem Ort.
Max Frisch beschäftigte es sein ganzes Leben lang. Noch in Montauk (1975), einem seiner letzten Werke, versucht der Schriftsteller, als Protagonist seiner eigenen Geschichte, noch einmal radikal neu zu beginnen, noch einmal jung zu sein. Die schwierige und lange Suche nach dem Selbst, der Kampf mit sich und der Welt, die Unzufriedenheit mit der eigenen Person und der Wunsch nach Veränderung sind die großen Themen des Max Frisch. Sie sind auch die großen Themen der Jugend und des jungen Erwachsenseins. Aus diesem Grund nehme ich immer mal wieder – trotz schlechter Erinnerungen an die Schulzeit – ein Buch von Max Frisch zur Hand.