Das begehbare Meer
Das begehbare Meer – das klingt wie „die peitschende Weide” oder „der verbotene Wald” aus Harry Potter.
Auf jeden Fall scheint es der Phantasie entsprungen zu sein und kein real existierender Ort unserer Welt. Oder ist einer von Euch schon mal über das Meer gelaufen bzw. ohne Sauerstoffflasche auf dem Meeresboden spaziert?
Ich habe es gemacht! Letztes Wochenende war ich im Wattenmeer. An der deutschen Nordseeküste liegt dieses Naturwunder.
Zweimal täglich kann man hier über den Meeresboden laufen. Bei Ebbe zieht sich das Wasser kilometerweit zurück und legt den Meeresboden frei und mit ihm viele seiner kleinen Bewohner, wie die Wattwürmer, Krebse, Strandkrabben und Meeresschnecken.
Das Wattenmeer ist Deutschlands bedeutendster Naturraum und zieht sich entlang der niedersächsischen, Hamburger und schleswig-holsteinischen Nordseeküste. Alle drei Bundesländer haben ihre Wattenmeeranteile als Nationalparks und Biosphärenreservaten ausgewiesen, um das wertvolle Naturerbe zu schützen.
Mit den Füßen im Schlick, den Blick fest auf den Boden gerichtet, um bloß keinen Wattwurm zu verpassen, mache ich mich mit anderen Abenteuerlustigen auf den Weg durch das Watt. Begleitet werden wir von einem qualifizierten Wattführer, denn das Watt ist gefährlich. Ähnlich wie in der Wüste täuschen Distanzen und Dimensionen. Was ganz nahe erscheint, kann Stunden entfernt sein. Schon viele wurden von der Flut überrascht . Denn wenn die Flut einsetzt, dann kommt sie von allen Seiten. Das Watt wird von oft unsichtbaren Wasseradern, so genannten Prielen durchzogen, die sich bei Flut schnell füllen und den Wanderern den Weg abschneiden.
Ich komme glücklicherweise ohne Zwischenfälle wieder am Strand an und kann jetzt von mir behaupten, dass ich schon einmal über den Meeresboden gewandert bin.