Couchsurfing – zu Gast bei Fremden
Letztes Jahr im Sommer beschloss ich, zusammen mit meiner Freundin Sarah die Sofas Portugals zu testen. Drei Wochen lang fuhren wir durch Portugal, von Süden nach Norden und couchsurften jede Nacht auf fremden Sofas.
Jeder hatte schon mal Besuch. Es kann sehr schön sein, aber auch anstrengend . Andere in sein Leben zu lassen, bedeutet immer von seiner gewohnten Routine abzuweichen, Platz zu schaffen und zu teilen. Für Freunde macht man das gerne, aber für Fremde?!
Es gibt 2.191.946 Couchsurfer in 237 Ländern dieser Welt . In Kontakt miteinander stehen sie durch die Internetplattform: couchsurfing.org . Ein Forum, das laut eigener Aussage zur kulturellen Verständigung beitragen und eine Global Community schaffen möchte, die sich toleriert, respektiert und voneinander lernt.
Es ist ein non-profit Unternehmen und funktioniert ohne Verpflichtungen . Jeder kann sich dort ein Profil anlegen. Ähnlich wie bei Facebook schmückt man seine Seite mit Fotos und möglichst aussagekräftigen Sätzen über sich selbst und sein Leben.
Mit Hilfe dieses Profils erlangen die anderen Couchsurfer einen ersten Eindruck und können entscheiden, ob sie dich auf ihrer Couch haben bzw. ob sie deine Couch in Anspruch nehmen wollen.
Die Wahrheit ist: Couchsurfing übertraf all unsere Erwartungen! Zugegeben , der erste Moment, wenn die Tür aufgeht und man sich vorstellt, ist immer etwas seltsam. Doch diese Spannung hielt meist nur wenige Minuten an. Kaum hatten wir die Rucksäcke abgestellt und die ersten paar Sätze mit unserem Gastgeber gewechselt, war das Eis gebrochen.
Die Portugiesen stellten sich als Couchsurf-Maniacs heraus. Im Sommer verwandeln sie ihre Häuser und Wohnungen in Herbergen für Gäste aus aller Welt und bemühen sich , ihren Gästen den Aufenthalt so schön und unvergesslich wie nur irgendwie möglich zu gestalten.
Immer noch sehe ich vor mir, wie Tiago uns die Tür mit einem breiten Lächeln öffnet, in der einen Hand hält er die Gitarre und auf dem anderen Arm sein Hauskaninchen. „Welcome to the family,“ begrüßt er uns. Wir sind nicht die einzigen Surfer auf seiner Couch. Außer uns beherbergt Tiago noch einen Münchner, eine Brasilianerin und einen Portugiesen.
Die Chemie stimmt sofort und unser Gastgeber nimmt sich frei, um uns die schönsten Ecken seiner Stadt zu zeigen. Abends gibt es portugiesische Spezialitäten, Vinho Verde und Gitarrenmusik. Aus zwei Übernachtungen werden vier. Aus einer Gruppe von Fremden werden Freunde. Der letzte Abend rückt heran und während ich an meinem Wein nippe und den Gesprächen lausche, die geprägt sind von den unterschiedlichen Akzenten, verstehe ich, was Leute dazu bewegt, Fremde einzuladen. Es ist die Neugier und der Spaß daran, andere Kulturen kennenzulernen, fremden Geschichten zu lauschen und sich mit anderen Nationalitäten auszutauschen und sich inspirieren zu lassen.
Und ich weiß auch, dass es nicht mein letzter Urlaub auf fremden Sofas war. Es ist eine andere Art des Reisens, man ist nicht mehr länger Tourist – kein Außenstehender mehr. Kaum angekommen, ist man auch schon mittendrin.