ACTA – Der Europäische Gesetzesentwurf in der Debatte
Die jährliche Berlinale, das größte Filmfestival in Deutschland, findet jedes Jahr im Februar in der deutschen Hauptstadt statt. Mit ihr kommen nicht nur Filme, die ihre Premiere feiern, sondern auch viele Diskussionen . Eine davon betrifft – wie so oft in den letzten Jahren – vor allem das Urheberrecht und die Filmindustrie. Weltweit unterhält diskutiert die Entertainment-Lobby darüber, wie sie die Online-Piraterie aufhalten kann. In diesem Zusammenhang werden Gesetze vorgeschlagen, die sich der neuen, digitalen Welt annehmen sollen. Jedoch scheint sich die Politik nicht auf den Protest der Online-Bewegung eingestellt zu haben.
Die amerikanischen Gesetzesvorschläge, SOPA und PIPA , wurden bereits erfolgreich bekämpft . Im Januar 2012 stimmte der US-amerikanische Kongress gegen den Gesetzesvorschlag, der sowohl von Republikanern als auch von Demokraten unterstützt wurde . Eine globale Welle der Empörung machte sich breit, als die Inhalte des Entwurfs bekannt wurden. SOPA und PIPA machen es nämlich den Rechteinhabern , also Firmen wie Sony, Warner Brothers oder anderen großen Labels und Produktionsfirmen, möglich, ganze Seiten aus dem Internet zu löschen, wenn sie einen Urheberrechtsverstoß vermuten. Das könnte allerdings auch zu einem Missbrauch der Macht über das Internet führen, weshalb viele User sich mit Petitionen und großen Kampagnen auf Facebook beschwerten. Doch nicht nur Privatpersonen haben kein Interesse an diesen Gesetzen: auch Unternehmen wie Google und Wikipedia äußerten sich aktiv gegen SOPA und PIPA .
An den Erfolg der Gesetzesblockade in den USA wollen nun auch die Europäer anknüpfen. ACTA , das europäische Äquivalent zu SOPA, soll gestoppt werden – weltweit demonstrierten daher am 11. Februar 2012 Menschen auf der Straße. Die Kritiker befürchten auch bei ACTA eine Einschränkung ihrer Freiheit im Internet. ACTA sieht vor, dass Provider die Namen ihrer Kunden herausgeben, wenn sie gegen Gesetze verstoßen . ACTA wurde bereits am 26. Januar von der EU sowie 22 Mitgliedsstaaten unterzeichnet. In Deutschland wurde vorerst entschieden, diese Unterschrift nicht zu setzen. Das hingegen bedeutet noch nicht, dass ACTA gestoppt ist: dafür wollen europäische Parteien sorgen. Allen voran die in Berlin bereits erfolgreiche Piratenpartei, die sich für das Recht im Internet stark macht. Sie versucht durch die geplanten Demonstrationen, weitere Parteien und Bürger auf ihre Seite zu ziehen.
Trotz der Erfolge der Netzgemeinden bleibt eine Frage weiterhin offen: Wie wird in Zukunft mit dem Urheberrecht im Netz, mit Online-Piraterie und mit vorgeschlagenen Gesetzesentwürfen umgegangen? Es bleibt abzuwarten, ob sich nach der ACTA-Debatte Lösungen finden, die sowohl für die Wirtschaft als auch für die Nutzer annehmbar sind.