Die Kriegerin – ein Film von David Wnendt
Dieser Film hätte zu keinem besseren Zeitpunkt veröffentlicht werden können. Nach den Geschehnissen um die Morde der NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) im Jahre 2011 und die Aufdeckung grausamer Wahrheiten, ist David Wnendts ein topaktueller Streifen in den deutschen Kinos. Er liefert einen Blick auf die vergessene Gegenwart: auf ein Ostdeutschland, das den Boden rechtsradikalen Gedankenguts nährt, und auf ein Gesamtdeutschland, welches diese Wahrheit zu ignorieren versucht.
Marisa ist eine junge Frau, die sich politisch festgelegt hat: Sie und ihre Freunde verprügeln Ausländer jeglicher Art , haben Sex unter einer Hakenkreuzflagge und saufen, rauchen und pöbeln den ganzen Tag, da sie keiner festen Arbeit nachgehen. An Wochenenden treffen sie sich mit ihren „Parteifreunden“, um zu trinken und politische Nonsens-Ideologien auszutauschen. Authentisch ist das allemal: so sieht das nicht nur im Film aus, sondern auch tatsächlich in vielen perspektivlosen ostdeutschen Kleinstädten. Die Intensität der Darsteller und die nahen Kameraaufnahmen jagen dem Zuschauer ständig Gänsehaut ein. Das verstörende Thema – junge, radikale Neonazis, die nicht in einem parallelen Universum, sondern nur in Ostdeutschland leben – ist auf einmal direkt vor den Augen der Zuschauer, die sich nun mit der Realität auseinandersetzen müssen.
Und hier finden sich schon die ersten Parallelen zur Realität wieder: Geschockt war die gesamte deutsche Gesellschaft auch, als man die Zwickauer Zelle entdeckte, die über Jahre hinweg Hassmorde an ausländischen Bürgern verübten . Wie konnte sich so ein Hass verbreiten, in einem Land, das angeblich seine Probleme aktiv bewältigt? Die Kriegerin liefert gerade auf diese Frage leider keine Antwort, sondern verliert sich in Nazi-Romantik und in Klischees. Nazis, das sind zusammengefasst: hasserfüllte, perspektivlose, hässliche Menschen, die saufen und pöbeln . Obwohl das sehr nah an der Wahrheit ist, fällt es dem Zuschauer damit nur allzu leicht, sich von der Story zu distanzieren. Damit wirkt die Erzählung allzu konstruiert und flach: Es gibt keine Erklärungen, keine Zusammenhänge , keine Begründungen dafür, wieso diese Ideologien immer noch greifen und wie sie in persönlicher Umsetzung weitergetragen werden. „Ostdeutschland“ alleine reicht nicht als Begründung. David Wnendt, wenn er denn eine Idee hatte, hat sie nicht ausreichend in den Film integriert.
Doch trotz aller Kritik bleibt Die Kriegerin ein spannendes Werk, welches Aufmerksamkeit zieht auf die derzeitige deutsche Diskussion rund um Verfassungsschutz und Anti-Terrormaßnahmen gegen Rechts.