Jugendporträt – Sabrina

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Man kann sagen, ich bin hinein gewachsen in den Beruf. Mein Vater war BVG Busfahrer und ich bin praktisch auf dem Bus groß geworden. Von klein auf antwortete ich auf die Frage: „Was willst du später einmal werden?“ mit: „Busfahrerin!“ Dieser Wunsch zog sich auch all die Jahre durch meinen Leben. Wie es so ist, in meiner Jugend rückte dieser Wunsch in weite Ferne. Ich hatte andere Prioritäten und Ansichten und wollte mich anderweitig behaupten. So kam es, dass ich die Schule nicht mehr regelmäßig besuchte. Ich war in den falschen Kreisen unterwegs und geriet mehr oder weniger auf die schiefe Bahn. Ich war nun 18 Jahre alt, unzufrieden mit mir und meinem Leben. Also entschloss ich mich nicht nur schulisch, sondern komplett einen Neuanfang zu machen und brach jeglichen Kontakt zu meinem bisherigen sozialen Umfeld ab. Ich suchte mir ein OSZ, an dem ich meinen Schulabschluss nachmachen konnte. Ich erreichte meinen erweiterten Hauptschulabschluss, ging arbeiten, und begann zusätzlich an einer Abendschule neben dem Beruf meinen MSA zu machen. Als ich auch diesen mit Bravur abschloss, wollte ich unbedingt noch das Abitur an der Abendschule machen, einfach um es mir selber zu beweisen. Leider lief das nicht so glatt und durch private Probleme und die viele Arbeit fiel es mir schwer, überhaupt noch hinzugehen. Ich musste schlagartig erwachsen werden und Verantwortung nicht nur für mich, sondern auch für andere übernehmen. Es begann eine schwere Zeit, die geprägt durch Verrat, Enttäuschung, Niederschläge und Kampf war. Ich hatte keinen festen Aufenthaltsort, übernachtete mal hier, mal da. Ich war rastlos zu dieser Zeit. Ich wusste nicht, wo ich wirklich hingehörte und hatte einfach nur noch funktioniert. Schließlich wollte ich niemandem zur Last fallen. In der ganzen Zeit wechselte ich neben der Abendschule die Jobs hin und her. Während einer Nachtschicht an der Tankstelle fragte ich mich selbst: „Soll das jetzt alles gewesen sein? Soll so jetzt dein ganzes Leben aussehen? Von einen Job zum nächsten hetzen, nie wissen wie es morgen weitergeht?“ Es war Zeit für eine Veränderung! Da kam mein Kindheitswunsch wieder hervor. BVG Busfahrerin: Dit wär's doch! Also bewarb ich mich für eine Ausbildung als Fachkraft im Fahrbetrieb und wurde angenommen. In einen halben Jahr habe ich ausgelernt und hoffe, diesen Traum weiter leben zu können. Bitte die Türen einmal freimachen. Für mich ist es das Schönste, auf Achse zu sein, mit den Menschen direkten Kontakt zu haben und immer mitten im Geschehen zu sein. Oft merke ich, dass ich ein wenig Stress brauche und immer in Bewegung sein muss, damit ich mich ausgeglichen fühle. So ganz ruhen oder auf der Stelle stehen, tue ich nie. Mir ist es sehr wichtig, mit dem zufrieden zu sein, was man hat und mit sich selbst im Reinen zu sein. Ich brauche nicht viel, um glücklich zu sein. Ich freue mich an den kleinen Dingen im Leben. Ein schönes Wetter und ein Käffchen und alles is jut. Na gut, is ja schon mal voll mein Markenzeichen, also Kaffe und Kippe, aber is schon asi, Mann. Das kommt richtig asi.

Sabrina wusste schon als Kind, dass sie später einmal Busfahrerin werden möchte. Genau wie ihr Vater. Als Jugendliche verlor sie diesen Wunsch für einige Zeit aus den Augen. Sie drohte auf die schiefe Bahn abzurutschen. Es begann eine rastlose und turbulente Zeit für Sabrina mit vielen Konflikten und Problemen. Doch schlussendlich hat sie es geschafft und hat mit viel Ehrgeiz an der Abendschule ihren Schulabschluss nachgeholt. In einem halben Jahr schließt Sabrina ihre Ausbildung zur Busfahrerin in Berlin ab und erfüllt sich somit ihren Kindheitswunsch.