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Jugendporträt – Indra

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Tanzen bedeutet für mich Freiheit, Leidenschaft, Inspiration, Kunst und Hingabe. Ich habe mit 7 Jahren angefangen Ballett zu tanzen. Schon früher waren meine Brüder verliebt in Michael Jackson. Sie nannten mich manchmal sogar Michael. Ich glaube deswegen bin ich dem Tanz auch verfallen, da der King of Pop abnormal gut tanzen konnte. Faszinierend ist beim Tanzen, dass man immer was Neues lernt oder sieht, spürt, fühlt, denkt. Ich muss ständig in Bewegung sein. Ich merke, dass wenn ich mich nicht bewege, etwas Grundlegenes und Wichtiges in meinem Leben fehlt. Beim Tanzen kann ich frei sein. Viele Leute reagieren komisch darauf, wenn ich als Junge erzähle, dass ich Ballett tanze. Weil sie denken, dass Ballett nur Mädchen tanzen oder man als Junge automatisch schwul sein muss. Inzwischen ist es mir egal, was die Anderen sagen und ob sie mich deshalb verurteilen. Tanzen ist mein Leben. Es ist wie ein Heilmittel. Immer wenn ich traurig, wütend oder gestresst bin, erlöst das Tanzen mich für eine gewisse Zeit von diesen Emotionen. Ich denke nicht nur über meine Probleme nach, sondern ich tanze sie weg. Mit 13 Jahren wurde bei mir ein Gehirntumor festgestellt. Diese und die darauffolgenden 64 Bestrahlungen und 6 Chemotherapien waren der absolute Tiefpunkt in meinem bisherigen Leben. Dies hat meine Familie sehr schwer getroffen. Doch wir haben den Tumor besiegt. Das Tanzen hat mich auf jeden Fall gestärkt in dieser Zeit. Ich konnte meinen Gedanken einfach freien Lauf lassen und musste nicht daran denken, was wäre wenn. Zu spüren, dass mein Körper - trotz der Behandlung - noch kräftig genug war, um zu tanzen, hat mir Sicherheit gegeben. In solchen Momenten, in denen ich nur bei mir selber bin und alles, was um mich herum tobt, still wird, bin ich glücklich.

Indra ist 19 Jahre alt und lebt in einer Wohngemeinschaft in Berlin Prenzlauer Berg.

Er ist seit drei Jahren Schüler der Staatlichen Ballettschule Berlin und Schule für Artistik. Dort macht er zur Zeit eine Berufsschulausbildung zum staatlich geprüften Bühnentänzer. Nebenher ist er auch Schüler der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch – Berlin.

Geboren und aufgewachsen ist Indra in München. Seine Mutter kommt aus Italien und sein Vater aus Jamaica. Somit ist Indra schon immer mit unterschiedlichen Kulturen in Kontakt gewesen.

Mit erst 19 Jahren ist Indra bereits ein erfolgreicher und ernst zu nehmender Tänzer. Er ist ein sehr disziplinierter, aufrechter, offener und ehrgeiziger junger Mann. Trotzdem ist er gleichzeitig bescheiden und sogar etwas schüchtern. Er verzaubert mit seiner Ausstrahlung, seiner Präsenz und einem sehr freundlichen Lächeln.

Es gab viele Wendepunkte in Indras Leben. Diese haben ihn zu dem Menschen gemacht, der er nun ist. Welche Wendepunkte sind das? Woher nimmt Indra seine Kraft und Inspiration und was bedeutet das Tanzen für einen jungen Mann wie Indra?