Jugendporträt – Bastian

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Freude, Spaß, Ehrgeiz sind Wörter, die in meinen Kopf kommen, wenn ich ans Schwimmen denke. Ich brauche es für mein Leben. Ich bin ein Mensch, der ohne ständige Bewegung verkümmert. Schwimmen bedeutet mir sehr viel, da es mich an meine Grenzen bringt. Erfolge, die ich hier erziele, erfüllen mich mit Stolz. Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Ich war mit meinen Brüdern Fußball spielen. Als wir nach Hause gegangen sind, überquerten wir eine Ampel und mich hat dabei eine LKW erwischt. Als ich im Krankenhaus erwacht bin, hatte ich nur noch ein Bein. Nach dem Unfall musste ich erstmal damit klar kommen, dass ich nicht mehr der Supersportler bin, der ich früher mal war. Ich wollte so gerne Fußball spielen und plötzlich war der Traum vorbei. Ich konnte nicht mehr einfach Dinge tun, wie zum Beispiel rennen. Alle waren schneller als ich. Aber beim Schwimmen konnte ich zeigen, was in mir steckt, und dass ich doch noch ein guter Sportler bin und habe es sogar in die Nationalmannschaft geschafft. Eigentlich fallen mir keine schlimmen Veränderungen durch den Unfall ein und ich mache fast alles alleine. Ich bin nur in manchen Sachen eingeschränkt. Da ich fast nie die Prothese trage, habe ich zum Beispiel nicht die Hände frei, um Sachen in mein Zimmer zu tragen. Manchmal nutze ich meine Behinderung aus. Wenn ich keine Lust habe zu Hause irgendwas zu machen, sage ich beispielsweise: "Ich kann das nicht, weil ich behindert bin". Meine Familie erwidert aus Spaß: "Ja, und ein Bein fehlt dir auch". Es hilft sehr, nicht alles zu ernst zu nehmen. Trotz meiner Behinderung werde ich in meinem Umfeld akzeptiert und respektiert. Ab und zu geben jüngere Kinder Kommentare ab wie, "Guck mal, der hat nur ein Bein." Aber das trifft mich nicht, denn ich weiß, ich bin ein Mensch wie jeder andere auch nur mit einem Bein weniger.

Bastian ist 17 Jahre alt und lebt mit seiner Familie im Kreuztal in Leverkusen.

Er ist Leistungsschwimmer und konnte schon zahlreiche Erfolge erzielen, unter anderem gewann er Medallien bei der Jugend-WM 2013 in Puerto Rico.

Doch Bastian ist kein “normaler” Junge. Bastian ist körperlich behindert.

Mit 9 Jahren verlor er bei einem schweren Unfall mit einem LKW, bei dem er fast starb, sein linkes Bein. Anstatt durch diesen Schicksalsschlag den Lebensmut zu verlieren und sich zurückzuziehen, schöpfte Bastian daraus Kraft. Er fing an zu schwimmen und es bekam seine größte Leidenschaft und sein Lebensinhalt.

Bastian hat große Träume, er will zeigen dass es auch für jemanden mit einer Behinderung möglich ist, Höchstleistungen zu erbringen. Zu seinen größten persönliche Zielen gehört die Teilnahme am Finale bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro. Damit dieser Traum Realität wird trainiert er diszipliniert und mit großer Hingabe.

Wir wollen Bastian treffen und ihn einen Tag durch sein Leben begleiten, einen Einblick in sein alltägliches Leben bekommen. Es geht darum, zu zeigen mit welch inspirierender Kraft, Bastian sein Leben gestaltet und dass eine vermeintliche Behinderung vielleicht gar nicht als solche wahrgenommen werden muss, sondern in einer anderen Lebensrealität eben ganz “normal”  ist.