Sabrina vor dem Babylonischen Löwen im British Museum, © Goethe-Institut London
Sabrina zeigt uns die Münzsammlung des British Museum, © Goethe-Institut London
Der VW-Käfer im Glashof des British Museum, © Goethe-Institut London
Sabrina mit ihrer Mutter vor der Berliner Mauer, © Sabrina Ben Aouicha
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Im Gespräch mit Sabrina Ben Aouicha

Sabrina Ben Aouicha ist 33 Jahre alt. Die Deutsch-Tunesierin lacht viel. Die Archäologin lebt seit 2009 in London. Sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Wenn sie über ihre Arbeit redet, fangen ihre Augen an zu leuchten. Als Kuratorin am British Museum hat sie 2014 an der Ausstellung “Germany – Memories of a Nation” mitgearbeitet. Wir haben Sabrina getroffen. Nach einer Führung durch die Ausstellung erzählt sie uns von sich und ihrer Arbeit.

Auf Deutsch: Sabrina, Du bist in Deutschland aufgewachsen. Warum sprichst Du auch Arabisch?

Sabrina: Mein Vater kommt aus Tunesien und meine Mutter ist Deutsche. Ich bin zweisprachig aufgewachsen mit Deutsch und Arabisch. Tunesisch ist ein arabischer Dialekt. Wenn ich mit meinem Vater spreche, spreche ich Tunesisch. Aber wenn ich auf archäologischen Ausgrabungen bin, spreche ich dort Hocharabisch.

Auf Deutsch: Du bist Archäologin. War das schon immer Dein Traumberuf?

Sabrina: Ja, ich wollte schon immer Archäologin sein. Ich fand vor allem die Römer ganz toll, weil es in Tunesien sehr viele römische Ausgrabungsstellen gibt. Ich habe einen Großteil meiner Kindheit in Tunesien bei meinen Großeltern verbracht. Später habe ich mich aber dann für die Archäologie im Nahen Osten (Vorderasien) entschieden. Ich habe an vielen Ausgrabungen in Syrien teilgenommen. Leider ist das momentan nicht möglich. Ich vermisse das Ausgraben schon. So ein Bürojob ist zwar ganz schön, aber irgendwie doch anders.

Auf Deutsch: Warum hast Du bei der Ausstellung “Germany – Memories of a Nation” mitgearbeitet?

Sabrina: Am Anfang war ich schon am British Museum und habe an einem anderen Projekt gearbeitet. Alle deutschen Mitarbeiter des Museums kamen zusammen und man hat sie nach ihren Ideen gefragt. Das fand ich sehr spannend. Und dann habe ich mich ganz normal auf die Position als Kuratorin  beworben. Ich dachte, ich probiere es einfach mal und es hat geklappt.

Auf Deutsch: Du hast selbst einen Migrationshintergrund. Wie interessant war es für Dich eine Ausstellung über Deutschland in London zu machen?

Sabrina: Sehr! Anfangs hatten wir auch die Idee, Migration in Deutschland mit reinzubringen, also die türkische Community, die Jugoslawen und die Griechen. Das hätte ich auch gerne gehabt, einfach um das neue Deutschland zu zeigen. Es hat aber dann leider nicht geklappt.

Auf Deutsch: Wer hatte die Idee für eine Deutschland-Ausstellung in Großbritannien?

Sabrina: Die Idee hatte Neil MacGregor, der Direktor des British Museums. Er hat gesagt, “Ich möchte eine Ausstellung über Deutschland machen. 2014 ist ein historisch wichtiges Jahr – für beide Länder: 25 Jahre Berliner Mauerfall, 300 Jahre Personalunion und 100 Jahre Erster Weltkrieg.“ Neil MacGregor ist ein großer Fan von Deutschland. Er hat gesagt, er möchte ein neues Deutschlandbild bei den Engländern kreieren.

Auf Deutsch: Wir haben bei Deiner Führung durch die Ausstellung Dein Lieblingsobjekt gesehen! Wie nennt sich das nochmal? Und warum ist es Dein Lieblingsobjekt?

Sabrina: Ja! Das Heilbronn compendium! Es ist aus dem 16. Jahrhundert und sieht eigentlich wie ein Smartphone aus – all mit seinen Instrumenten und Funktionen. Das ist ein super Objekt. Es ist funktionell und es ist einmalig.

Auf Deutsch: Und weißt Du schon, was Du als nächstes machen wirst?

Sabrina: Oh ja, ich werde wieder hier am British Museum an einer anderen Ausstellung arbeiten. Zurück zur Archäologie. Die Ausstellung heißt “One God” und erzählt über Judentum, Christentum und Islam in Ägypten. Von römischer Zeit bis ins Mittelalter. Ich freue mich schon sehr.

Auf Deutsch: Dabei wünschen wir Dir viel Spaß und viel Erfolg. Vielen Dank für das interessante Gespräch.

 

Zum Weiterlesen und Weiterhören:

Die offizielle Webseite zur Deutschland-Ausstellung im British Museum

Sabrina im Gespräch mit der Goethe-Institut London Webredaktion

Sabrinas Blog-Eintrag zu: Where were you the night the Berlin Wall fell?

BBC 4 Radioprogramm zur Ausstellung

Deutschlandradio Kultur über die Ausstellung im British Museum

 

Copyright: Goethe-Institut London / Anne-Cathrin Saure und Magnus Pölcher, February 2015

 

Im Gespräch mit Sabrina Ben Aouicha